CitygrooveClash in der Berliner Zeitung

Artikel zum Citygroove-Clash in der heutigen Berliner Zeitung. Hier auch online:

„Wenn Geschenktes weiterverkauft wird // Bald mit Lizenz? Wem gehört die Berliner Straßenkunst? Mit Street Art lässt sich Geld verdienen. Das ist seit Banksy kein Geheimnis mehr. Die Bilder des britischen Straßenkünstlers werden auf Kunstauktionen für hunderttausende Euro versteigert. Der Ausverkauf von Street Art hat längst begonnen, trotzdem sorgt er in Berlin erst jetzt für Wirbel in der Szene. Und dabei geht es nicht um das große Geld, sondern um Postkarten und Kühlschrankmagnete. Und um die Frage: Wem gehört eigentlich Straßenkunst?

Doch von vorne: Die Firma Citygroove und verkauft seit einiger Zeit Souvenirs mit aufgedruckten Street-Art-Motiven in Berlin und anderen europäischen Städten. Berliner Straßenmaler wie Emess fanden ihre Bilder auf Postern und Kühlschrankmagneten wieder, von Citygroove bearbeitet und bedruckt mit dem Label der Firma, nicht aber mit den Namen der Künstler. Gefragt hatte sie schon gar niemand, geschweige denn daran gedacht, sie am Gewinn zu beteiligen. Eine Zeit lang regten sich die Maler darüber auf, ärgerten sich über die Verfremdung ihrer Motive, sorgten sich auch ein wenig um ihren Ruf, weil nun jemand denken könnte, sie stünden hinter der Vermarktung – verdienten womöglich gut daran.

Vielleicht wäre es bei diesem privaten Unmut geblieben, wäre da nicht der Katalysator Internet: Der Blogger Just machte seinem Ärger öffentlich Luft, die Firma antwortete mit einem provokanten Kommentar auf der Seite, warf den Sprayern „Kindergartenverhalten“ vor und drohte, deren Identitäten der Polizei preiszugeben. Rein rechtlich ist der Fall ziemlich klar: Es herrscht „Panoramafreiheit“. Danach ist es erlaubt, Kunst auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen zu fotografieren und zu verwerten – so lange sie bleibend ist. Aber da wäre schon die erste Grauzone: Fragt man Straßenkünstler, bezweifeln diese sehr, dass ihre Kunst tatsächlich bleibend sei. Mauern werden übermalt, Plakate wieder abgekratzt. Da es bisher keine Grundsatzentscheidungen gab, ist diese Frage ungeklärt. Trotzdem lässt Citygroove es nicht darauf ankommen. Seit ein paar Tagen ist die Internetseite der Firma stillgelegt.

In der Berliner Street-Art-Szene aber geht es nun darum: Kann man sich auf das Urheberrecht berufen? Wie weit soll so ein Streit gehen? Wann verlangen Straßenkünstler Eintrittsgeld? Auf der einen Seite stehen die Künstler, die sich gegen jede Form der Kommerzialisierung wehren. Ihre Kunst ist im Grunde aus ihrer Sicht etwas Verschenktes, nicht gedacht fürs Weiterverkaufen. Auf der anderen Seite stehen Pragmatiker wie Marc Scherer, Inhaber der ATM-Gallery, die über 20 Straßenkünstler vertritt. Sie möchten selbst entscheiden, was mit ihren Bildern geschieht, wessen Öffentlichkeit sie wollen, sei es die von Firmen wie Citygroove oder die großer Sportartikel- und Handyhersteller.

Am Ende könnte man sich vorstellen, dass die Straßenmaler im Stile der Creative-Commons-Lizenzen, bei denen Künstler selbst bestimmen, was von wem wie weiterverwertet werden darf, ihre Werke mit Schutzzeichen versehen. Diese zeigen jeweils an, was der fotografierende Passant damit machen darf. Vielleicht prangt dann neben jedem Stencil bald ein durchgestrichenes Eurozeichen, das bedeuten soll: Nicht weiterverkaufen!

von Anne Lena Mösken.

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4 Antworten auf “CitygrooveClash in der Berliner Zeitung”


  1. Gravatar Icon 1 sifoe rock 17. Februar 2010 um 14:12 Uhr

    zitat
    „Viel­leicht prangt dann neben jedem Sten­cil bald ein durch­ge­stri­che­nes Eu­ro­zei­chen, das be­deu­ten soll: Nicht wei­ter­ver­kau­fen!“

    früher, haben wir immer ein copyright zeichen neben dem gemalten piece gemalt ;)

    aber beim „taggen“ und „stencils“ ist das wohl schwierig und echt ein witz!

    einfach die „regeln“ der writer befolgen – dann gibt es auch kein ärger, liebe industry!!!

    „industry is wack“

    peace!

  2. Gravatar Icon 2 Yippie yea 17. Februar 2010 um 14:47 Uhr

    Ich mache ab jetzt COPYWRONG.

    all wrong reserved.

  3. Gravatar Icon 3 sp 38 17. Februar 2010 um 23:32 Uhr

    Nice ,
    something happen in the poor Berlin street art scene .
    to be victim or not , to be famous or not , who uses who ?
    NO SMOKING !

    SP 38

  4. Gravatar Icon 4 ktz12 18. Februar 2010 um 19:03 Uhr

    das habe ich vorhin entdeckt:

    http://stores.shop.ebay.de/l-Galerie-am-Park-l_Graffiti_W0QQ_fsubZ1418912016QQ_sidZ82063866QQ_trksidZp4634Q2ec0Q2em322

    hier bedient sich wohl auch jemand…
    Ganz offentsichtlich ist es zumindestens beim banksy-motiv.

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