Errinnert sich noch wer an die Ankuendigung zum „Urban-Art-Guide“ und „Rally“
von Adidas? Was ich damals als nicht allzu relevant empfand´ haben sich andere wohl zu Nutzen gemacht! Hier die Story auf Rebel:Art /// oder hier im Anhang:
“Am 20. März lancierte Adidas den “Urban Art Guide”, eine iPhone-Applikation, die Nutzer_innen “Urban Art Hotspots” in Berlin zeigen soll. Zum Launch der dazugehörigen Website (urbanartguide.com) und anlässlich des 60jährigen Firmenjubiläums sollten am 21. März an solchen “Urban Art Hotspots” 60 Paar Turnschuhe versteckt werden, die es zu finden galt. “Urban Art Rallye” nannte sich das Ganze.
Unter diesen 60 Paaren befanden sich auch zwei Paare, die vom Berliner Artist Nomad designt wurden. Ein weiteres Paar dieser sog. “Special Edition Sneakers” soll ab dem 2. April auf Ebay versteigert werden. Adidas lässt verlauten, dass der Erlös an die StreetUniverCity gespendet wird, ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Akzeptanz von Straßenkultur und kulturelle Bildung von Jugendlichen einsetzt.
Zurück zum Thema Urban Art, einem Sammelbegriff für unterschiedliche künstlerische, häufig illegale Eingriffe im Stadtraum. Seit seiner Entdeckung durch die Medien wird Urban Art/Streetart als Trendphänomen mit rebellischer Aura in regelmäßigen Abständen als Marketingkanal unterschiedlicher Firmen benutzt. Die Agenturen werben mit scheinbar illegal gesprühten Figuren für Chatcomputer, Snoop Doggy Dogg erscheint – zeitgleich mit der dazugehörigen Fernsehwerbung für einen Handytarif – als schwarz-weißes Cut-Out an Häuserwänden, eine Hitlerfigur mit Armbinde (darauf eine Brezel statt einem Hakenkreuz) wirbt für das neue Musical im Admiralspalast. Werber_innen scheinen sich einig darüber, wie sie eine bestimmte junge Zielgruppe erreichen.
Im Pressetext von Adidas wird betont, wie sehr sich schon die frühe Hip Hop-Subkultur mit der Marke identifizierte. Das klingt irgendwie so, als sei dieser Sportartikelhersteller schon in den Siebzigern durch New York gefahren, um generös Sneakers an junge Breaker_innen, Rapper_innen und Sprüher_innen zu verteilen bzw. sie an sogenannten “Hotspots” zu verstecken. Das ist natürlich Unsinn. Der Glücksfall, dass insbesonders arme Ghettokids an bestimmten Marken Interesse zeigten, ließ sich hervorragend instrumentalisieren, um auch ein kaufkräftigeres Publikum zu erreichen. Ähnlich absurd sind die Verhältnisse auch aktuell, wenn es um den “Urban Art Guide” geht. Adidas behauptet, sich damit für die “wichtigste und einflussreichste Jugendkultur der Welt” einzusetzen.
Fraglich dann nur, warum das Engagement für sinnvolle Zwecke an dieser Stelle, und neben oben genannter Spende, nicht etwas üppiger ausfällt… Und wahr: Innerhalb der Subkultur kommt diese Art von Einsatz scheinbar nicht besonders gut an, denn so hatte – ein paar Tage vor dem Launch des Guides – Ferdinand (Name von der Redaktion geändert), seines Zeichens Graffitisprüher und leidenschaftlicher Dokumentator der Street Art- und Graffiti-Szene, andere Aktive dazu aufgerufen, die Promotionaktion zu unterminieren, indem die Sneakers vorzeitig gefunden und von den “Hotspots” entfernt werden. Würde man in Besitz der angekündigten 60 Paare kommen, so die Rechnung, hätte man nach Weiterverkauf um die 3000 Euro im Topf. Davon könnte man schon mal jede Menge Sprühdosen, Marker, Papier und Kleister kaufen. Soweit der Plan.
In der Realität sah das wie folgt aus: Am Morgen der Rally bezogen Streetart-Akteur_innen Stellung an mehreren sogenannten “Hotspots” und observierten das Hauptstadtbüro des Konzerns mit dem Ziel, so viele Turnschuhe wie möglich einzusammeln. Sie verfolgten die Verteiler und konnten einige Schuhe einsammeln. Allerdings nicht so viele, wie gehofft, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wurden die Turnschuhe nicht mehr versteckt, sondern schlichtweg an Passant_innen verteilt. Vielleicht weil, wie man auch in einem Forum für iPhone-Applikationen lesen konnte, die Technik des Urban-Art-Guides zu dem Zeitpunkt irgendwie nicht so richtig funktionierte.
Ganz zufällig fanden sich an den “Hotspots” übrigens auch brandneue Schuhe zweier konkurrierender Hersteller. Anscheinend denkt man sich auch dort, dass junge iPhone-Besitzer _innen die Zielgruppe der Stunde sind. Spannend eigentlich, von welch unterschiedlichen Seiten versucht wurde, diese Aktion zu stören bzw. zu nutzen…
Am Ende des Tages hatten die Aktivist_innen es jedenfalls geschafft, 20 Paar Schuhe einzusammeln, was auch noch einem ansehnlichem Weiterverkaufswert entsprechen würde. An dieser Stelle jedoch entstand die Idee, die gesammelten Turnschuhe eventuell in eigene “Special Edition Sneakers” zu verwandeln, diese aber nicht wie das Adidas-Team auf Ebay zu versteigern, sondern einen eigenen Auktionsevent zu organisieren. Befreundete Künstler_innen aus der Szene haben unsere Akteure sicherlich und wir dürfen auf einen weiteren Verlauf der Gegenaktion und “Special Edition Sneaker” gespannt sein.
Demokratisch wurde entschieden, das Geld eigenen urbanen und politischen Projekten zukommen zu lassen, wie beispielsweise der Aktion “Papergirl” der Künstlerin Aisha Ronniger und der Freirauminitiative Berlin.”












Hier auf ILG:
http://www.ilovegraffiti.de/de/
Michaela Jordan hat den Text noch ins englische uebersetzt / dieser ist u.a. hier zu finden:
http://www.ekosystem.org/forum/viewtopic.php?f=4&t=5873
TAZ Artikel zum Thema….
Streetart-Künstler wehren sich gegen Adidas
Die Kunst, unkommerziell zu bleiben
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/die-kunst-unkommerziell-zu-bleiben/
Cool! Da haben es die kleinen Davids dem bösen großen Goliath aber mal wieder richtig gezeigt! Wie super kritisch und aufgeklärt unsere „Immer-Jugend“ doch heutzutage ist! Wow! Irgendwie auch einleuchtend, dass bei soviel Finesse für die echten Ganoven wie HypoRealEstate (hat halt mal eben 120 Mrd Euro aus Steuergeldern verbrannt) etc. nicht mehr so viel Kreativitätspotential übrig bleibt, um dann auch mal was relevantes zu instalieren. Hat ja auch mit Politik zu tun und das stinkt nach Verantwortung, was voll uncool ist. Also pullert sich die Szene, die so dermaßen von der Industrie abhängig ist einfach selber voll. Dann muss man sich auch nicht mehr mit ECHTEN Inhalten beschäftigen. Gratis-Werbe-Sneakers wegschnappen, diese dann mit Edding anmalen und schließlich fürs eigene Projekt verhökern ist doch die billigste Kopie der Majors.Schon da haperts also mit der Innovation! Mega lächerlich.
Oder haben die sich aus purem Neid zusammengeschlossen, weil sie es bei keinem Brand auf die „Collaboration-List“ geschafft haben?
Zur Erinnerung: www.lodownmagazine.com, www.caliroots.com, www.crookedtongues.com
Euch gehts halt einfach (zu) gut. Aber macht nur so weiter, dann werden mit Sicherheit (leider) wieder andere Zeiten kommen.
Ich nehme mal an, daß der stinkige Kommentar vor mir von einem der Urban Art Guide Macher ist. Hehe …