Filmreihe @ kchg: Graffitigrammatik oder: Was ist an Kunst Graffiti?

Vormerken! An 4 Sonntagabenden (23.11.-14.12.2008) lädt die kchg (keine characters galerie) zu einer spannenden Filmreihe ins Wendel ein. „Wir werden Filme zeigen, die sich mit Graffiti auf verschiedenste Weise beschäftigen. Geplant sind jeweils 2 Filme an einem Abend. Die Vorstellung beginnt pünktlich um 21 Uhr, der Eintritt ist frei. Eingeladen sind alle, die sich für eine hintergründige Auseinandersetzung mit Graffiti interessieren.“

Filmreihe: Graffitigrammatik oder: Was ist an Kunst Graffiti?
wendel ‚clubcafe für gegenwärtige musik und grafik die von da wo sie einmal ist nicht wieder weggeht‘
schlesische straße 42, 10997 Berlin

Programm:

23.11.08, 21.00 Uhr
Magic Colorz (Stefan Reuter und Fabian Bechtle)
11 Minuten, Berlin, 2004
Performance oder Wahrheit? Magic Colourz verzaubert das Publikum mit krassen Aktionen und traumhaften Sequenzen diverser Crews und Writer aus Berlin. Es bedient sich einer Filmsprache, die sich in einer Tradition des Graffiti-Videofilm Genres sieht und versucht mit Aspekten des Sicht-/Unsichtbaren im Graffiti zu arbeiten.

Hard Knocks#5 (Chris Goldberg)
Sprache: deutsch, 50 Minuten, Berlin, 2004
Zwischen Spiel- und Dokumentarfilm über einen / mehrere Graffiti–Writer, bewegt sich Hard Knocks#5 durch Berlin. Die Kamera begleitet die Wege und Orte des Graffiti-Writers von Sonnenaufgang bis –untergang in der Großstadt. Ein unterhaltsamer wie spannender Film über Reproduktion und Produktion von Graffiti und seine Protaganisten.

30.11.08, 21.00 Uhr
Art Inconsequence – Advanced Vandalism (Robert Kalthäuser)
Sprache: deutsch mit engl. Untertitel, 68 Minuten, Ruhrgebiet, 2008
Art Inconsequence ist als Beilage des gleichnamigen Buchprojektes erschienen, welches Anfang 2008 im Publikat – Verlag veröffentlicht wurde und sich mit verschiedenen Aspekten und Techniken des Graffitis auseinandersetzt. Das Video ist in diverse Kapitel unterteilt und versucht im Verhältnis zum Buch Grenzen des klassischen Graffitis zu dekonstruieren und weiter zu denken. Zu sehen sind Dokumentationen von Live- Actions, Züge, Wände und Reflektionen darüber.

Stations of the Elevated (Manfred Kirchheimer)
Musik: Charles Mingus, 46 Minuten, USA, 1979
‘Die poetische Dokumentation über die kunstvollen Graffiti auf den New Yorker Hochbahnen im Jahr 1979 zeigt die verschwundenen Formen der illegalen Spontankunst mit tristen Alltagsbotschaften aus dem Ghetto, aber auch Parallelen zu den legalen, oft aggressiven Werbetafeln am Wegesrand. Ein meisterhaft fotografiertes stimmungsvolles Zeitzeugnis, das sich jeden Kommentars enthält, aber durch die anachronistische Jazzmusik und den malerisch-musikalischen Rhythmus die Spraykunst auch nostalgisch verklärt. – Sehenswert‘ (Filmdienst)

07.12.08, 21.00 Uhr
Ugly Tour / Bukarest 2005 (Ehso & Richard Schwarz)
8 Minuten, Rumänien, 2005
„Im November 2005 begleitete ich 3 Mitglieder der U.T. – Ugly Teens nach Bukarest, Rumänien.
Ziel war es die Stadt + Umland möglichst vielfältig zu erleben, so erforschten wir nicht nur entlegenste Ecken sondern auch den Untergrund.“ (Auszug aus der Kurzbeschreibung von Richard Schwarz, www.richardschwarz.com)

Addicted#2 – Graffiti Magazine (247style.net)
Sprache: deutsch mit engl. Untertitel, 88 Minuten, Ruhrgebiet, 2008
Die aktuelle Ausgabe des Graffiti-Magazines ADDICTED ist in insgesamt 7 Kapitel unterteilt und über 2 Stunden lang. Jedes Kapitel zeigt eine ausführliche Dokumentation von Zügen und Live-Actions aus verschiedenen Städten in Nordrhein-Westfalen. Wir werden 4 Kapitel zeigen: Bonn (INF-Crew), Bochum & Ruhr Area (IOR CREW), Dortmund (YESYO / EWC Crew) und All Over (Frankreich, Spanien, Italien etc.).

14.12.08, 21.00 Uhr
Vicio Rebelde (keine Angabe)
Documento especial pichação 90/91 (keine Angabe)
2 You-Tube Footages zur Pixação – Kultur aus Rio de Janeiro, Brasilien.

Sem Comédia 3 (Cripta, Djan)
Sprache: brasilianisch ohne Untertitel, 78 Minuten, Brasilien, 2008.
Das Video dokumentiert diverse Aktionen verschiedener Pixação Crews aus São Paulo, Brasilien.
Sowohl in São Paulo, als auch in Rio de Janeiro haben sich von Anfang an 2 jeweils sehr eigenständige, regionale Stile entwickelt.

„Der Begriff Graffitigrammatik beruht auf der Idee, das Feld der Intuition zu verlassen und zu versuchen, verschiedene Aspekte des Themas genauer zu benennen. Sei es, um sich weiter zu entwickeln, sei es, um besser zu verstehen, worum es eigentlich geht oder auch gehen könnte. Oder um einfach das was man tut oder sieht genauer beschreiben zu können. In diesem Sinne meint Graffitigrammatik den Zustand, in dem sich die Beziehung des Writers zum Graffiti ausdrückt. Diese kann sich an verschieden vielen Faktoren orientieren: An der Technik, einem Ort oder einer Motivation. Meist ist es ein Zusammenspiel dieser Faktoren und die Aufgabe des Writers besteht darin, diese zu organisieren und so effektiv wie möglich einzusetzen.

Dazu könnte es zum Beispiel hilfreich sein, Kriterien unabhängig des eigenen Geschmacks zu entwickeln, mit deren Hilfe Graffiti beschreibbarer würde. Jedes Graffiti erfüllt bestimmte Bedingungen unabhängig von qualitativen Kriterien allein dadurch, dass es Graffiti ist. Das führt direkt zu der Frage: ‚Was ist Graffiti?‘

Wir schlagen vor, Graffiti als ein gesellschaftliches Ereignis zu verstehen, welches unverkäuflich bleibt, solang sich Writer nicht darüber im Klaren sind, was sie tun. Oder anders formuliert, dadurch, dass Writer sich nicht darüber im Klaren sind, was sie tun, wird Graffiti erst zu einem gesellschaftlichen Ereignis und nicht zu einem Produkt. Graffiti äußert und manifestiert sich dadurch, dass einzelne Bestandteile kollektiv das Gleiche tun, das Unvergleichliche tun: Durch individualisierte Gestaltung von Buchstaben, durch ein Verpersönlichen der Form, die Essenz ihrer Existenz mitzuteilen. Was soll die Essenz sein?

Wieso das Medium erweitern, bestehende Grenzen überschreiten, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Gestaltung der Buchstaben. Buchstabenkombinationen, die einen individuellen Ausdruck behaupten. Woran orientiert sich der Writer bei der Gestaltung seiner Buchstaben? Welche Kriterien sind das, die Writer an seinen Namen, sein Graffiti stellt? Was ist Kunst an Graffiti?

In dieser Filmreihe versuchen wir verschiedene Aspekte von Graffiti zu beleuchten, um Begriffe zu finden, Bildsprachen, Aktionen zu sehen, die sich dem nähern, was wir als Graffitigrammatik besprechen wollen. Lässt sich dieser Zustand definieren? Kann er benannt werden? Welche Begriffe muss man (er)finden um sich ihm zu nähern?

Zum Aspekt Kunst und Graffiti siehe auch den Text:
‚Der Name Gottes… geschrieben – Für eine negative Theologie des tags‘

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