AJAK / Pro-Graff-Demo Aufruf

Die Gruppe „Antifaschistische Jugendaktion Kreuzberg“ mit ihrem Beitrag und Aufruf zur Graffiti-Demo am 12. July (15:00 – Oranienplatz) in Berlin:

„Wände fordern ist verkehrt! Obwohl der letzte Nofitti-Kongress schon eine Weile her ist, gibt es weiterhin genug gute Gründe und Anlässe um gegen Sauberkeitswahn, profilneurotische Graffitihasser und eine zunehmende Kriminalisierung und Verfolgung von MalerInnen auf die Straße zu gehen. Bei Graffiti und Streetart in Berlin lassen sich zwei Entwicklungen beobachten: Einerseits gibt es eine hohe Aktivität der Szene und eine sehr kreative Dynamik ihrer Ausdrucksformen. Berlin ist eine große Spielwiese für alle, die Kunst und/oder Namedropping auf die Straße bringen wollen. Farbe bestimmt das Bild eines Großteils der Stadt. Die Orte und Möglichkeiten, Graffiti und Streetart Ausdruck zu verleihen, sind vergleichsweise noch so vielfältig und zahlreich, dass selbst die New York Times die Berliner Zustände mit dem New York der 70er Jahre vergleicht.

Andererseits hält sich der gesellschaftliche Hass auf MalerInnen und Streetart-AktivistInnen auf gewohnt hohem Niveau und entwickelt dabei immer subtilere Spielarten: So forderte ein südamerikanischer Bürgermeister, allen SprüherInnen die Daumen abzuhacken damit sie keine Cans mehr halten können, und in Berlin werden sie mit Hubschraubern und anderem technischen Kontrollmöglichkeiten gejagt, als ob sie Schwerverbrecher wären.

In einer Gesellschaft, in der Eigentum, Konformität und die Ablehnung von Allem, was aus der Reihe tanzt, zu den bestimmenden Faktoren gehören, hat Graffiti einen schweren Stand. Zwar entstehen in einem Klima von Anpassungsdruck, Ausbeutung und Unterdrückung erst bestimmte Formen von Auflehnung, dem Wunsch, sich selbst und seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen und der Einsicht in die Notwendigkeit, die vorgegeben Spielregeln nicht mehr mitspielen zu wollen.

Zwar wird Graffiti zunehmend kommerzialisiert und kaum ein Klamottenlabel oder Musikvideo-Produzent hat noch nicht mit einer gewissen Graffitiästhetik gearbeitet. Dennoch bleibt das Spektrum der Graffitigegner groß: AktivbürgerInnen, Parteien, Medien, Wohnungsbaugesellschaften und Graffitientfernungsbetriebe machen gegen die Stadtverschönerung mobil. Mit noch größerem finanziellem, personellem und technischem Aufwand soll jegliche Dosenentleerung verhindert werden und der öffentliche Raum, um den es ja letztendlich geht, klinisch rein bleiben.

Die Forderung nach ein paar neuen legalen Wänden geht leider am Kern des Problems vorbei. Die Frage ist und bleibt, wer den öffentlichen Raum, also S&U-Bahnen, anonyme Straßenzüge, die offiziell irgendwelchen Wohnungsbaugesellschaften gehören, gestalten darf. In einer Gesellschaft in der Eigentum und Profit immer noch wichtiger sind, als die Menschen die in ihr leben, nimmt Graffiti automatisch eine Aussenseiterrolle ein, da es sich den öffentlichen Raum ohne zu fragen aneignet und somit, ob man will oder nicht, die gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse in Frage stellt.

Denn Fakt ist ja: Uns hat auch keiner gefragt, ob die U-Bahn gelb sein soll!“

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4 Antworten auf “AJAK / Pro-Graff-Demo Aufruf”


  1. Gravatar Icon 1 wow 08. Juli 2008 um 23:50 Uhr

    guter text, vor allem das schlusswort bringt es auf den punkt.

  2. Gravatar Icon 2 fhainguy 13. Juli 2008 um 11:13 Uhr

    Suche begabte Sprayer für privates Projekt. Stil-Mischung aus Stencil-, Street-Art und Graff gern gesehen.

  3. Gravatar Icon 3 fhainguy 13. Juli 2008 um 14:33 Uhr

    Sorry, wrong email. Again, looking for gifted graff and streetart guys for private project. Email: fhainguy (at) rocketmail (dot) com

  1. 1 Graff-Demo « Berlin based Urban-Art / Street Art Blog Pingback am 11. Juli 2008 um 23:25 Uhr
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