pixação

…ich wuszt´s noch nicht:

Pixação (Pie-scha-ssau), so nennt man das extrem tagging, bei dem pixaJugendliche ihr Leben riskieren, um den Namen und das Logo ihrer Crew in Schwindel erregender Höhe an São Paulos Hochhauswänden zu verewigen. Pichadore (Pie-scha-dore) kommen überwiegend aus den Favelas (Slums). Wenn sie eine mehrere Stunden lange Fahrt auf sich nehmen um ihre Marke im Stadtkern zu hinterlassen, ist neben dem Ruhm innerhalb der Szene der gewollte Nebeneffekt reiche Geschäftsleute an ihre Existenz zu erinnern.

In schlimmsten Verhältnissen und ohne Zukunftspläne aufgewachsen, haben sie nichts zu verlieren. Ohne Angst klettern sie ungesichert, wie eine Spinne alle Gliedmassen einsetzend, nur mit Pinselrolle und einer Flasche voller Wandfarbe oder einer Spraydose bewaffnet, an den Häuserwänden hoch. Oben angekommen, passen sie ihre einfarbigen, klar voneinander abgetrennten, gotisch anmutenden Buchstaben an die Architektur der Stadt an.

Die seit 1979 aktiven Pioniere wie Tchentcho, Di und Xuim bekamen die Inspiration für den prägnanten Pixação Schriftstil von der auf Rock Album Covern verwendeten Typographie. So prägten nicht die New Yorker Oldschool Writer oder Grandmaster Flash und Afrika Bambaataa, sondern Kiss, Iron Maiden und AC/DC diese weltweit einzigartige Subkultur. Graffiti erreichte São Paulo erst Mitte der 80er Jahre und entwickelte sich seit dem zu einer eigenständigen Kultur. Der erfolgreiche Graffiti Writer Boleta, der nie aufgehört hat seinen Pixação Crew Namen Vicio in der Stadt zu verbreiten, stellt somit eine Ausnahme dar.
pixa
Bis auf die Gemeinsamkeit einen Schriftzug im öffentlichen Raum ungefragt anzubringen, unterscheiden sich Pixação und Graffiti in vielen Punkten. Beim Pixação geht es nicht um den Umgang mit Farbe und um künstlerisches Ausdrucksvermögen. Ist der Schriftzug und das Crew Logo einmal entwickelt, geht es häufig um Leben und Tod. So kann jeder Pichador ehemalige Kollegen aufzählen, für die Pixação zum tödlichen Verhängnis wurde. Der Grund ist in den wenigsten Fällen, dass diese ge-konnten Kletterer abstürzen. Die meisten sterben im Kampf mit verfeindeten Crews oder werden in manchen Fällen sogar von der Polizei oder dem privaten Sicherheitsdienst erschossen.

pixaWährend die Polizei Graffiti als Kunst ansieht und die Writer gewähren lässt, ist Pixação den Beamten ein Dorn im Auge. Abhängig von der Laune des Polizisten ist es üblich die Pichadore nach einer Verhaftung mit ihrer eigenen Sprühfarbe anzusprühen oder zu verprügeln. Im Extremfall, wie bei einer Verhaftung von Bolena, wird mit ihnen Russisches Roulette gespielt. Gefängnis droht den Wenigsten. Statt dessen lässt die Polizei Pichadore in der Regel nach wenigen Stunden wieder frei, so dass sie sich nach neuen Häusern umschauen können.

Ein Teil sucht sich die gut sichtbaren Häuser, die einfach zu erklettern sind, während sie als Motorradkurier durch die Stadt fahren. Viele der über 5000 in São Paulo aktiven Pichadore haben jedoch keinen Job. Für sie stellt Pixação das einzige Mittel zum Protest dar. Nur mit der Aufnahme des Risikos, können sie auf die Missverhältnisse in der Brasilianischen Gesellschaft hinweisen, in der der Abstand zwischen Arm und Reich so gross ist, wie die Häuser hoch sind, die sie erklimmen.“
gesammten text via lodown.

und anfang februar gab es auf ekosystem ein kleines review auf das von „Daniel Medeiros“ herausgegebene buch “TTSSS… pixação, the vastest art. são paulo, brazil”. im topic mit mehr infos & vielen links etc.

ttsss

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8 Antworten auf “pixação”


  1. Gravatar Icon 1 Rushbrush 07. März 2007 um 23:01 Uhr

    Ich find auf jeden fall sehr fett…ziht euer ding einfach durch jungs;).

  2. Gravatar Icon 2 maria 06. September 2007 um 4:27 Uhr

    achei uma fauta de respeito ao patrimônio publico e privado !:):(:d

  3. Gravatar Icon 3 brn 28. Februar 2008 um 18:43 Uhr

    pace di .
    dexter !

  4. Gravatar Icon 4 Jelly 03. April 2008 um 21:22 Uhr

    hey, wann kommen die leute nach wien? hätt sowas auch gern auf meiner schule…:d

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